Gedanken zum schönsten Ort Vorarlbergs

Der Lingenauer Quelltuff wurde von den Vorarlbergern im ORF zum schönsten Ort im Ländle gewählt. Dass der Quelltuff etwas ganz besonderes ist sieht man schon beim ersten Blick auf die „Quelltuffwand“.

Wohl die imposanteste Ausprägung des Lingenauer Quelltuffes (Foto: Anna Pichler).

Wohl die imposanteste Ausprägung des Lingenauer Quelltuffes (Foto: Anna Pichler).

Dass aber diese Wahl einen derartigen Ansturm auf das Naturdenkmal auslösen kann hat mich dann doch überrascht.

Natur begeistert anscheinend doch noch! Der Quelltuff in Lingenau punktet wohl vor allem deshalb bei den Besuchern, weil das „Naturerlebnis“ leicht mit einer kurzen, einfachen Wanderung erreichbar ist. Auch dies ist wohl ein Zeichen der Zeit. Wär hätte wohl den Langsee mit seinen Feuchtgebieten am Silbertaler Winterjöchle oder das Steinerne Meer zum schönsten Ort Vorarlbergs auserkoren?
Das alles soll aber die Bedeutung und den Wert des Lingenauer Quelltuffs nicht schmälern: er wird als herausragende geologische Erscheinung in Vorarlberg bezeichnet und als eine der großflächigsten Kalksinterbildungen in Europa nördlich der Alpen. 1998 wurde der Lingenauer Quelltuff zum Naturdenkmal erklärt und ist auch Teil des Großraumbiotops Subersach mit seinen Hang-, Tobel- und Schluchtwäldern.
Kalktuffquellen sind auch besonders schützenswerte Lebensraumtypen nach Anhang I der FFH-Richtlinie.

Von der Geländekante bis in die Subersach fließt das Wasser und bildet den Quelltuff aus (Foto: Anna Pichler).

Von der Geländekante bis in die Subersach fließt das Wasser und bildet den Quelltuff aus (Foto: Anna Pichler).

In Vorarlberg sind z.B. die Kalktuffquellen bei St. Martin am Ludescherberg Schutzgut des dortigen Natura 2000 Gebietes Ludescherberg und stehen daher unter einem besonderen gemeinschaftlichen Schutz. Grundsätzlich besteht ein Verschlechterungsverbot für diesen Lebensraumtyp im Natura 2000 Regime.
Nachdenklich stimmt mich nur der medial ausgelöste „Hype“ um den Lingenauer Quelltuff- an einem sonnigen Herbsttag konnte ich den Ansturm auf den schönsten Ort Vorarlbergs miterleiden und als Folgeerscheinung durfte ich Kinder beobachten, die den Lehrpfad trotz Wegegebot verlassen haben, mit aller Selbstverständlichkeit ein „Selfie“ im Quelltuff machten und dies wohl auf Facebook „gepostet“ haben. Wieviel dies Nachahmer findet ist nicht abzuschätzen. Natürlich wird der wegnahe Quelltuff auch genutzt um die eigenen Initialen für die Nachwelt zu hinterlassen. Es ist ja der schönste Ort Vorarlbergs…da muss man gewesen sein…am besten noch ein Stück Quelltuff mitnehmen (wäre auch verboten). Irgendwie ein Dilemma: ich will dass die Vorarlberger wieder den Wert ihrer Naturschönheiten kennenlernen, aber zu welchem Preis??

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