v³ – eine wichtige Initiative zur Raumplanung

Flächenfrass mit Sonnenuntergang im Rheintal

Die Sonne sinkt im zersiedelten Rheintal …

Vor kurzem hat eine Reihe von Vorarlberger Bürgermeister*innen und Planungsexpert*innen eine ganz wichtige „Initiative für gemeinwohlorientierte Raumentwicklung“ gestartet. Unter dem Titel „v³ – vau hoch drei“ werden Ziele für eine zukunftstaugliche Raumentwicklung formuliert und konkrete Maßnahmen für eine Mobilisierung von Baugrundstücken gefordert.

Hier kann man die Petition online unterstützen – gleich mitmachen!

Mir gefällt besonders der Fokus auf die „gemeinwohlorientierte Raumordnung“. Denn darum geht es ja im Kern bei der Raumplanung: Die Interessen Einzelner müssen untereinander abgewogen und die Interessen der Öffentlichkeit geschützt werden – denn die Erhaltung von Naturräumen und Freiflächen, aber auch die sinnvolle Ordnung von Nutzungen sind wichtig für alle, auch für zukünftige Generationen. Das muss im Zweifelsfall wichtiger sein als die Wünsche Einzelner.

In der Praxis wird aber immer wieder auf die verschiedensten Wünsche von einzelnen Firmen und Privatpersonen Rücksicht genommen, und so verschärft sich das Problem, dass um die knappen Flächen gekämpft wrd und die Preise steigen. Wenn die freien Flächen nicht verfügbar sind, steigt der Druck, weitere Flächen umzuwidmen, und die Konflikte verschärfen sich weiter.

Diese Diagnose ist nicht neu, sowenig wie die diskutierten Instrumente: Schon im letzten Jahrtausend habe ich eine Vorlesung der damals neuen Professorin Gerlind Weber gehört, die sich mit Bodenpolitik und Bodenschutz beschäftigte, und fand das unglaublich spannend.
Mehr als 20 Jahre später sind die Probleme noch dieselben. Man wüsste auch, was zu tun ist – es ist höchste Zeit, das endlich anzugehen.

Aufrüstungswelle mit Schneekanonen und Schneilanzen

simo7Geplant ist in der Silvretta Nova die Erweiterung der Schneeerzeugungsanlage mit zusätzlich 173 Schneekanonen und 20 Schneilanzen. Zum jetzigen Stand sind 45 ha Beschneiungsfläche für die Silvretta Nova bewilligt, beschneit werden aber bereits seit Jahren 70 ha. Nun soll die Beschneiungsfläche auf insgesamt 115 ha bewilligt werden. Die Erweiterung der Schneeerzeugungsanlage soll eine möglichst schnelle und effiziente Grundbeschneiung der Pisten ermöglichen, ab 1. Oktober sollen die Schneigeräte bereits laufen und die Schneedepots füllen.

Für die gesamte Beschneiungsanlage sind jährlich ca. 430.000 m3 Wasser notwendig, zusätzlich wird in naher Zukunft auch noch ein Antrag für einen neuen Speichersee mit einem Fassungsvermögen von 300.000 m3 Wasser gestellt. Das Projekt ist mit Kosten von 9 Millionen Euro verbunden.

Schneiteich Gaisbühel - Baustelle

Baustelle für den Schneiteich Gaisbühel in Mittelberg

Gebaut und geplant wird überall: In Schröcken und im Kleinen Walsertal sind große Speicherteiche im Bau, im „Auenfeld“ wird nächste Woche eine neue Schneeanlage verhandelt …. Ständig werden von der Behörde Anlagenerweiterungen und Neuanlagen zu Beschneiungszwecken bewilligt und mit dem öffentlichen Interesse argumentiert.

Vor dem Hintergrund, dass die globale Erwärmung fortschreitet, kann die Aufrüstungswelle mit Schneekanonen als geradezu absurd bezeichnet werden. Um „Schneesicherheit“ für unsere Tourismusgäste zu garantieren, werden gravierende ökologische Folgen (Geländeeingriffe, Änderungen des Wasserhaushaltes, Lärm, Wasserentnahmen aus Flüssen und Bächen, spätere Ausaperung, Schäden an der Vegetation und viele mehr…)  in Kauf genommen und Investitionen getätigt, diese große Abhängigkeiten mit sich bringen. Um diese Anlagen wirtschaftlich zu betreiben sind weitere Pistenbaumaßnahmen sowie Ausbau der Liftkapazitäten notwendig. Ein niemals endender Teufelskreis.

Gerade im sensiblen Alpenraum ist die Besinnung auf dauerhafte Tourismuskonzepte, welche die Schönheit unserer Landschaft  erhalten, das einzige Erfolgsmittel.

Alpe Gweil: Millionen-Alpweg bewilligt

gweil-skizzeGanz ohne Aufsehen wurde am Ende der Urlaubszeit ein lange umstrittenes Projekt bewilligt: Das Gweilmaisäß und die Alpe Außergweil in St. Gallenkirch sollen durch einen ca. 8 km langen Güterweg erschlossen werden.
Bewilligungsbescheid  (pdf, 470 kB) – Planskizze (pdf, 5 MB)

Vor allem von den Besitzern der Hütten im Gweilmaisäß – die ausschließlich als Ferienhäuser genutzt werden – wurde seit vielen Jahren beim Land für den Bau einer Straße lobbyiert. Weiterlesen

Rabenvögel: Im Zweifelsfall schießen?

Rabenkrähe

Rabenkrähe (Wikimedia)

Alle drei Jahre stellt die Landwirtschaftskammer den Antrag, den Abschuss von Rabenkrähen und Elstern ausnahmsweise zuzulassen. Das ist rechtlich prinzipiell möglich, auch nach der europäischen Vogelschutzrichtlinie.

Allerdings gibt es dafür ganz klare Voraussetzungen: Solche Ausnahmen sind möglich, um erhebliche Schäden abzuwehren, und zwar nur dann, wenn es dazu keine anderen Möglichkeiten gibt. Und natürlich müsste man erst einmal prüfen, ob diese Abschüsse auch etwas nützen – sonst wären sie ja von vornherein sinnlos.
Darauf habe ich – wie in den Jahren zuvor – in meiner Stellungnahme hingewiesen. Weiterlesen

Streuwiesen als Bauflächen?

Verbauung von ökologisch wertvollen Flächen kommt in Vorarlberg leider immer wieder vor. Das kann momentan in Koblach im „Kobelmahd“ beobachtet werden. Hier wurden Feuchtgebiete in Bauflächen gewidmet. Die Bauarbeiten für mehrere Wohnhäuser sind bereits im Gange. Dies zeigt uns abermals deutlich, dass auch geschützten, ökologisch wertvollen Flächen eine Überbauung droht.

Kobelmahd Umwidmung3

Aktuelle Bauarbeiten im Kobelmahd

Teile des Kobelmahdes in Koblach sind durch den §25 (2) im Gesetz über Naturschutz und Landschaftsentwicklung (GNL), aber nicht durch die Streuwiesenverordnung geschützt, jegliche Veränderungen bedürften einer Bewilligung. In der jüngeren Vergangenheit wurden Erdarbeiten und Aufschüttungen im Bereich „Kobelmahd“ getätigt, durch die die ökologische Wertigkeit dieser Flächen stark gelitten hat.

Die Bebauung des Gebietes „Kobelmahd“ wird von Seiten des Naturschutzes stark in Frage gestellt. Die Umwidmung des „Kobelmahdes“ ist ungünstig und aus meiner Sicht eine Fehlentscheidung. Hier wurden ökologisch wertvolle Flächen geopfert, um Bauflächen zu schaffen. Weiterlesen

Letzte Woche: EU-Befragung zu Natura 2000

natura2000Nur noch bis zum 24. Juli läuft die EU-weite öffentliche Umfrage zu Natura 2000 – wem die Natur ein Anliegen ist, und wer das bisher noch nicht gemacht hat, sollte sich rasch daran beteiligen!

Der Hintergrund: In der EU gibt es Bestrebungen, die Naturschutzrichtlinien „moderner“ und „unbürokratischer“ zu gestalten, deshalb werden sie derzeit einem „Fitness-Check“ unterzogen. Viele Naturschutzorganisationen befürchten, dass die Richtlinien aufgeweicht werden sollen und fordern ihre Mitglieder auf, sich in die Diskussion einzubringen. Mehr Information dazu zB hier (PK österreichischer Umweltorganisationen), beim WWF oder dem Umweltdachverband.
Dort sind jeweils auch Links zur Seite naturealert.eu, wo man mit einem Klick eine naturschutzfreundliche Antwort abschicken kann. Wer mehr Zeit und Wissen hat, kann die Fragen hier im Detail beantworten. Weiterlesen

Verbindung Zürs-Rauz genehmigt

Übersichtsplan Verbindung Zürs-RauzDas touristische Industriegebiet im Lande soll wieder um ein Stück vergrößert werden: Am Freitag hat die BH Bludenz eine Schigebietsverbindung bewilligt, die mit vier Seilbahnen von Zürs zum Trittkopf, über den bisher unerschlossenen Ochsenboden nach Rauz und von dort auf der anderen Talseite auf die Albona führen soll.

Gleichzeitig wurde auf Tiroler Seite die Verbindung von St. Anton nach Kappl verhandelt, die ebenfalls ein schwerwiegender Landschaftseingriff wäre.

Karte Schröcken bis Kappl

Auch Google Maps sieht das Netz schon ziemlich dicht

Gute Nachrichten für alle, die sich schon lange wünschen, mit Schiern von Schröcken bis Kappl zu fahren. Weniger gute für Leute, denen die Erhaltung unserer Natur und Landschaft am Herzen liegt.

Besonders schmerzhaft sind dabei die geplanten Eingriffe in bisher völlig unverbauten Bereichen: Auf einem kleinen Felskopf auf dem Ochsenboden soll eine riesige Y-förmige Mittelstation gebaut werden, von dort soll eine Bahntrasse hinunter nach Zürs gehen, eine hinauf zum Trittkopf, und eine über den steilen Bergrücken beim Ochsenbodenkopf und von dort hinunter nach Rauz. Weiterlesen

Rhesi: Zwei Drittel für naturnahen Hochwasserschutz

Die Plattform Lebendiger Alpenrhein hat eine Umfrage in Auftrag gegeben, bei der die Bevölkerung aller betroffenen Gemeinden nach ihrer Meinung zum Hochwasserprojekt „Rhesi“ befragt wurde.

Ausschnitt aus der Umfrage - mehr Ergebnisse

Ausschnitt aus der Umfrage – mehr Ergebnisse

Das Ergebnis: 68% sprechen sich für eine naturnahe Revitalisierung des Rheins aus, auch wenn die Konflikte beim Grundwasser und bei der Landwirtschaft durchaus bekannt sind. Die Zustimmung ist in allen politischen Lagern sehr hoch und unabhängig von der direkten Betroffenheit. Die Umsetzung der naturnahen Variante solle zudem rasch erfolgen.

Alle Presseunterlagen können hier heruntergeladen werden.

Alpenrhein - Aufweitung an Frutzmündunge

So könnte die naturnahe Aufweitung an der Frutzmündung aussehen (Fotomontage: Peter Rey, Hydra-Institute)

Wir finden das sehr erfreulich – auch aus unserer Sicht ist „Rhesi“ eine Jahrhundertchance, ein Großprojekt, bei dem die Interessen von Hochwasserschutz, Ökologie und Naherholung sehr gut unter einen Hut gebracht werden könnten. Und es zeigt sich, dass die Bevölkerung schon viel weiter ist, als die Politik ihr zutraut.

„Kleine“ Lösung – große Wirkung

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Mobil im Reintal – untersuchte Trassen

Um Verkehrslösungen im Rheintal wird ja seit vielen Jahren diskutiert, große Projekte stehen in Feldkirch und irgendwo im Unteren Rheintal an. Und derzeit sucht Diepolsdau kleinräumig nach Lösungen für seine Verkehrsbelastungen – dort würde sich nämlich auch nach dem Bau einer S18-/Z-/CP-Trasse keine Verbesserung ergeben. Dabei sind auch die Vorarlberger Nachbarn einbezogen. Dafür hat man aber verschiedene Verkehrsmodelle berechnet – je eines für das nördliche und südliche Rheintal und jetzt ein genaueres für „Rheintal Mitte“. Dabei liegt es doch auf der Hand, dass es notwendig ist, diese Planungen aufeinander abzustimmen.

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Variante „Pr“ – Übersicht

Im Planungsprozess „mobil im Rheintal“ haben die Umweltorganisationen schon vor Jahren eine „Variante Pr (wie pragmatisch)“ vorgeschlagen, die mit den möglichst geringen Eingriffen eine möglichst gute Entlastung bringen sollte. Die hätte eine Straßenverbindung im Raum Mäder und eine Querung beim Bruggerloch (die praktisch das westlichste Stück der Varianten  Z, CP, S18 wäre) enthalten. Diese Variante hat man damals als „nicht wirksam genug“ abgetan, und nicht weiter verfolgt. So schlecht war sie aber doch nicht, vor allem, wenn man das Verhältnis von Kosten und Nutzen vergleicht: Weiterlesen

Auch kleine Haufen sind manchmal Mist …

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Altach – eine Woche nach Schneefall

Eigentlich ist Radfahren im Winter gar nicht so schwer – bei uns sind es ja meistens nur wenige Tage, wo es durch Schneefall, Eis und (fast noch schlimmer) Schnee-Salzmatsch auf den Straßen wirklich schlecht geht.
Was viel länger Probleme macht, sind die Schneeablagerungen auf den Radwegen und an den Straßenrändern.

 

Dabei habe ich durchaus Verständnis, dass bei starkem Schneefall nicht alles sofort geräumt werden kann. Wenn aber Wochen nach dem letzten Schneefall immer noch die Eis- und Schneehaufen herumliegen, wird es lästig.

Dornbirn - Bahnhofstrasse

Dornbirn heute morgen – über drei Wochen nach Schneefall

Dornbirn, Februar 2013

Dornbirn im Februar 2013

 

Besonders kritisch sind solche Haufen an Kreuzungen und in Kurven, und vor allem da, wo Radfahren gegen die Einbahn erlaubt ist. Radfahrer und Fußgänger werden dabei zum Ausweichen gezwungen, und kommen dabei zwangsläufig anderen Verkehrsteilnehmern in die Quere.

salaDabei können auch kleine Häuflein kritisch sein – gerade wenn Tauwetter und Frost abwechseln, entstehen daraus  immer wieder Eiszungen. Gerade wenn die Straßen sonst trocken sind, können diese eisigen Flecken tückische Fallen sein, ganz besonders für Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind.

Schneeräumung in Kopenhagen

Schneeräumung in Kopenhagen

In der Fahrradmusterstadt Kopenhagen werden die Radwege grundsätzlich vor den Fahrbahnen geräumt, und es kommt schon einmal vor, dass der Schee vom Radweg auf die Parkstreifen geworfen wird (und nicht umgekehrt, wie hier …).
In Vorarlberg haben schon 2010 die Radfahrer in einer Umfrage zum Winterradfahren gesagt, dass die mangelhafte Schneeräumung eines der großen Hindernisse sei.

Trotzdem gibt es hier offensichtlich noch viel zu tun. Und ich meine, dass die vielen kleinen Verbesserungen, die das Radfahren in den Städten leichter machen, viel wichtiger wären als neue „Fahrradautobahnen“ durch die Natur.