Verbindung Zürs-Rauz genehmigt

Übersichtsplan Verbindung Zürs-RauzDas touristische Industriegebiet im Lande soll wieder um ein Stück vergrößert werden: Am Freitag hat die BH Bludenz eine Schigebietsverbindung bewilligt, die mit vier Seilbahnen von Zürs zum Trittkopf, über den bisher unerschlossenen Ochsenboden nach Rauz und von dort auf der anderen Talseite auf die Albona führen soll.

Gleichzeitig wurde auf Tiroler Seite die Verbindung von St. Anton nach Kappl verhandelt, die ebenfalls ein schwerwiegender Landschaftseingriff wäre.

Karte Schröcken bis Kappl

Auch Google Maps sieht das Netz schon ziemlich dicht

Gute Nachrichten für alle, die sich schon lange wünschen, mit Schiern von Schröcken bis Kappl zu fahren. Weniger gute für Leute, denen die Erhaltung unserer Natur und Landschaft am Herzen liegt.

Besonders schmerzhaft sind dabei die geplanten Eingriffe in bisher völlig unverbauten Bereichen: Auf einem kleinen Felskopf auf dem Ochsenboden soll eine riesige Y-förmige Mittelstation gebaut werden, von dort soll eine Bahntrasse hinunter nach Zürs gehen, eine hinauf zum Trittkopf, und eine über den steilen Bergrücken beim Ochsenbodenkopf und von dort hinunter nach Rauz.

Zugang zum Ochsenboden

Zugang zum Ochsenboden

Alleine der Zufahrtsweg würde in diesem felsigen Gelände massive Eingriffe bedeuten – wer das nicht glaubt, soll sich einmal die Wege zur alten Trittkopfbahn ansehen.

Umso unverständlicher ist es für uns, dass die Behörde die Verhandlung für dieses Projekt in der Woche vor Weihnachten durchgeführt hat und es nicht für nötig befand, die geplanten Maßnahmen in der Natur ausstecken zu lassen. Üblicherweise werden – mit guten Grund – solche Vorhaben in der Natur ausgesteckt werden und üblicherweise werden – zu Recht – im ganzen Land Projekte in Schigebieten nur im Sommer verhandelt und das Gweg_ochsenbodenelände ohne Schneelage besichtigt.

Immerhin haben die Planer den Weg in ein Foto gezeichnet – leicht zu erkennen, dass eine sechs Meter breite Trasse in einem solchen Gelände einen ziemlichen Einschnitt ergeben wird.

Das Rätsel des verschwundenen Obergeschosses

Ochsenboden und Mittelstation - Bild: Antragsteller

Ochsenboden und Mittelstation – Bild: Antragsteller

Die Mittelstation auf dem Ochsenboden wird in diesem exponierten Gelände weithin sichtbar sein und als Fremdkörper auffallen. Umso wichtiger wäre es – wenn man schon so etwas baut – die möglichst dezent zu planen, und nur so groß, wie unbedingt nötig. Das ist bei einem Knoten von drei Bahnen sicher schon schwierig genug.

Zusätzlich steht aber in der Baueingabe, im Obergeschoss sei „ein Sitzungssaal mit den erforderlichen Nebenräumen“ vorgesehen. Es wird auch ausdrücklich erwähnt, es sei „keine Gastronomie angedacht“.

Wozu diese Räume sonst gebraucht werden, wird aber nirgends erklärt, und die sind ziemlich groß: In den ursprünglich eingereichten Plänen sind ein „Sitzungssaal etc“ mit 623 m², drei „Lagerräume f. Office“ mit insgesamt 121 m² und eine „Office Ebene“ mit 175 m² angeführt, dazu ein Terrassenbereich mit 731 m².
Zum Vergleich: der Große Saal im Kulturhaus Dornbirn hat bei einer Grundfläche von 310 m² Platz für 474 Personen. Das heißt, in diesem „Sitzungszimmer“ hätten fast 1000 Leute Platz, und ich meine, man sollte sich schon fragen, wozu so etwas auf über 2000 Meter Seehöhe notwendig sein soll.

Heuer hat man überarbeitete Pläne eingereicht, auf denen kein Obergeschoss mehr dargestellt ist, es hieß, das Gebäude sei wesentlich verkleinert worden. Allerdings sehen die Ansichten noch fast gleich aus, und die höchsten Höhen sind auch nur um 20 – 30 cm niedriger. Falls also tatsächlich da kein Stockwerk wäre, wäre jedenfalls Platz genug, das samt allen diesen mysteriösen Räumen nachträglich einzubauen. Oder das Stockwerk ist eh da, und man hat es in den neuen Plänen nur nicht mitgezeichnet. Immerhin steht in der neuen Beschreibung immer noch, das Obergeschoss beinhalte „Besprechungs­räume und einen Sitzungssaal mit den erforderlichen Nebenräumen bzw. Sanitärbereichen“

Das habe ich der BH zwar ausführlich geschrieben, sie sind darauf aber im Bescheid nicht eingegangen (man könnte auch an anderer Stelle den Eindruck bekommen, dass niemand dort die Stellungnahme überhaupt gelesen hat.) Dort steht nun, es seien „zwei Stockwerke“ vorgesehen – das kann auf keinen Fall stimmen, weil es ja zwei Kellergeschosse und ein Erdgeschoss gibt. Und wahrscheinlich das ominöse Obergeschoss.
Dafür kann es mehrere Erklärungen geben: Entweder die Behörde hat das wirklich nicht mitbekommen und/oder hält das eine Stockwerk für ein unwesentliches Detail. Oder sie wissen alles und spielen ein, äh, nicht ganz ehrliches Spiel mit.
Beides wäre nicht schön.

Gewichtige Interessen

Dazu kommt, dass die Natur und die Landschaft auch aus anderen Gründen beeinträchtigt werden, vor allem weil ein ganz neues Gebiet angegriffen wird, in dem bisher Ruhe herrschte, und das ein wichtiger Lebensraum ist.
Birkhahn (c) wikimedia Der Naturschutzsachverständige hat festgestellt, dass dort Birk- und Schneehühner vorkommen, aber auch Steinadler, Turmfalke, Tannenhäher, Kolkrabe, Alpendohle, Felsenschwalbe, Wasseramsel, Hausrotschwanz, Steinschmätzer, Heckenbraunelle, Alpenbraunelle, Schneesperling, Gebirgsstelze, Bergpieper, Birkenzeisig, Bluthänfling und Zitronenzeisig. Vor allem Raufußhühner sind sehr störungsempfindlich, und sind in Gefahr, beim Anfliegen an die Liftkabel verletzt oder getötet zu werden.

Es ist also ganz klar, dass Interessen des Natur- und Landschaftsschutzes hier verletzt werden. In solchen Fällen sieht das Gesetz vor, dass man ein Projekt nur bewilligen kann, wenn es dafür „die Vorteile für das Gemeinwohl überwiegen“. Leider kann man darunter fast alles verstehen, was irgendwie wirtschaftliche Vorteile bringt (oder wenigstens verspricht ..). Auch bei dieser Schiverbindung hat offenbar der Hinweis genügt, dass die neue Verbindung eine „Qualitäts- und Komfortverbesserung“ sei und einen wichtigen Beitrag für die Wettbewerbsfähigkeit bedeute.

Es stimmt ja sicher, dass der Tourismus bei uns ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist.
Das Argument mit dem Wettbewerb hat aber einen logischen Haken: Weil alle Schigebiete immer in Konkurrenz zueinander sind, ist jede Aufwertung des einen wieder ein Argument für ein „Aufrüsten“ bei allen anderen – das wäre natürlich wieder im öffentlichen Interesse, und so könnte man endlos weitere Ausbauten bewilligen.

Bis halt wirklich kein Platz mehr ist.

Dokumente im Original:
Stellungnahme der NaturschutzanwaltschaftBescheid der BH Bludenz

5 Gedanken zu „Verbindung Zürs-Rauz genehmigt

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