Sonne und Schnee

Schneekanonen-Test in Obergurgl

Testbetrieb in Obergurgl. Foto: „Elsa“ @Instagram

Die letzten Wochen haben uns einen strahlend schönen Oktober beschert, mit sommerlich angenehmen Temperaturen in der Sonne. In den Bergen genießen Wanderer die milden Temperaturen … zugleich werden schon die Schneekanonen in Stellung gebracht.
In Zürs ist einigen Wanderern aufgefallen, dass dort im schönsten Sonnenschein alle Schneekanonen liefen. Nach Angaben der Betreiber wird derzeit nur getestet, es gibt aber einen Bescheid, der prinzipiell die Depotbeschneiung schon erlauben würde. Die Richtlinie der Vorarlberger Landesregierung legt zwar prinzipiell den 1. November als Beschneiungstermin fest, unter bestimmten Fällen können aber Ausnahmen ab dem 1. Oktober bewilligt werden. Solche Ausnahmebewilligungen haben mittlerweile fast alle großen Schigebiete im Land. Man möchte ja nichts verpassen, falls es einmal früh kalt wird – bleibt nur die Frage, wie man den Touristen Sommer- und Winterzauber zugleich verkaufen kann. Denn die Schneekanonen sind nun einmal unübersehbar und laut, und die künsltichen weißen Haufen machen in der grünen Landschaft ein seltsames Bild.

beschneite Piste in Kitzbühel am 12. Oktober.

Resterhöhe am 12. Oktober.
Foto: Michael Mingler @Instagram

Andernorts macht man schon ernst: Berichten zufolge soll in Salzburg die Schisaison am 13. Oktober beginnen. Und aus dem Schigebiet Kitzbühel wurden in den letzten Tagen drastische Bilder bekannt, von Pisten, die offenbar mit Altschnee vom Vorjahr angelegt wurden.
„Snowfarming“ nennt man das auf Neudeutsch. Dabei wird der Schnee vom Vorjahr, der in Depots bewahrt wurde, mit Pistenraupen auf der Fläche verteilt. Ob der ökologische Fußabdruck eines solchen „Recyclingschnees“ tatsächlich „nahe am Neuschnee“ liegt, wie der Chef der Kitzbühler Bergbahnen meint, kann man allerdings bezweifeln … Denn zunächst ist das überwiegend Kunstschnee, der mit Strom erzeugt wird, die schweren Geräte fahren nicht mit Luft, und die Folien und Vliese, mit denen die Schneehaufen bedeckt werden, müssen auch erst erzeugt werden, und sehen in der Landschaft absolut unattraktiv aus.

Eine sehr anschauliche Sammlung von Bildern diverser Praktiken gibt es auch unter „elsa_kann_nicht_schlafen“ auf Instagram, zum Beispiel die Schneewolken oben oder dieses Bild von der Axamer Lizum:Speicherteich im Bau auf der Axamer Lizum

Grasgehren: Speicherteich im Moor bewilligt

Riedeberger Horn - LBV

Quelle: Dr. Eberhard Pfeuffer, LBV

Auch in unserer Nachbarschaft sorgen Speicherteiche für Kritik: Das Landratsamt Oberallgäu hat überraschend einen umstrittenen Speicherteich für eine Schneeanlage im Schigebiet Grasgehren bewilligt, und das an einem Standort in einem wertvollen Moorgebiet, kritisieren der LBV und der BUND Naturschutz in Bayern in einer gemeinsamen Presseerklärung.

Besonders seltsam: Noch am Vortag der Genehmigung ging ein Schreiben des Oberallgäuer Landrats bei den Organisationen ein, in dem eine gemeinsame Kompromisslösung beim Ausbau des Skigebiets Grasgehren inklusive Speicherbecken gewünscht wurde. Umso überraschender kam beinahe zeitgleich der sofortige Genehmigungsbescheid für einen Schneiteich, der am geplanten Standort von den Naturschutzverbänden seit langem kategorisch abgelehnt wird. (Stellungnahme des BN vom Jänner 2018).

Die Organisationen haben bereits angekündigt, gegen diesen Bescheid Rechtsmittel zu ergreifen.

Speicherteiche und Bergseen

Speicherteich Schwarzköpfle, Lage im Gelände

Speicherteich Schwarzköpfle, Lage im Gelände. Plan: Silvretta Montafon

In den letzten Tagen wurde zu Recht viel über den geplanten Speicherteich der Silvretta Montafon beim Schwarzköpfle diskutiert (VN-Bericht vom 27. 1.).
Dabei hat man von Betreibern und Politikern mehrmals gehört, das sei doch gar kein so schlimmer Eingriff, es werde alles wunderschön und natürlich gestaltet, und so ein Bergsee sei doch immer etwas Schönes.
Nun muss man den Betreibern durchaus zugestehen, dass sie sich bei der Planung bemüht haben, die Anlage so gut wie möglich in die Landschaft einzubinden, und naturnahe zu gestalten.
Aber diese Möglichkeiten sind immer begrenzt – eine künstliche Struktur würde jedenfalls erkennbar bleiben, und ein 26 Meter hoher Damm mit Zufahrten und technischen Bauwerken kommt in der Natur so sicher nicht vor. Dazu kommt, dass der Speicher am Ende des Winters leer wäre, und sich über den Sommer erst wieder füllen müsste – was den natürlichen Eindruck nicht gerade verbessert.

Speicherteich Schwarzköpfle - Schnitt.

Speicherteich Schwarzköpfle – Schnitt. Plan: Silvretta Montafon

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Neue Bahnen: Kein Aprilscherz?

Nachdem nun schon einige Monate lang keine neuen Schigebietspläne diskutiert wurden, ist heute in der Zeitung etwas ganz Neues aufgetaucht: Eine Verbindung von Klosters nach Gargellen.
Wir schreiben heute den 6. April. Also dürfte es sich – im Gegensatz zur Zelfenbahn – hier nicht um einen Scherz handeln …

Für große Aufregung ist es aber noch zu früh. Dazu müssten zuerst einmal genaue Pläne und Untersuchungen auf den Tisch.

Aprilscherz Zelfenbahn

Kurzmitteilung

Wenigstens ab und zu gibt es in unserem Alltag auch etwas zu lachen. Wie hier, wo ein paar listige Montafoner mit Hilfe des ORf ihre Mitbürger in den April schickten: Bericht Zelfenbahn

So weit weg von der Realität sind solche Ideen gar nicht – kein Wunder, dass viele den Bericht geglaubt haben.

Heliskiing – unnötige Belastung für Natur und Mensch

800px-cromwell_heliWieder einmal steht im Land die Genehmigung von Hubschrauberlflügen für touristische Zwecke an:  An zwei Standorten in Lech sollen Außenlandungen genehmigt werden – das sind die einzigen Punkte in Österreich, an denen das erlaubt ist. Auch in den anderen Alpenländern (mit Ausnahme der Schweiz) sind solche Flüge verboten.

Die Vorarlberger Naturschutzorganisationen und die Naturschutzanwaltschaft haben sich immer wieder gegen diese Genehmigungen ausgesprochen. Denn diese Flüge sind eine schwerwiegende Störung für die Tiere, die im Winter ohnehin im Überlebensstress sind. Zudem werden auch Einheimische und ruhesuchende Touristen durch die Flüge gestört.

Schreiben der Naturschutzorganisationen 2016

Aufrüstungswelle mit Schneekanonen und Schneilanzen

simo7Geplant ist in der Silvretta Nova die Erweiterung der Schneeerzeugungsanlage mit zusätzlich 173 Schneekanonen und 20 Schneilanzen. Zum jetzigen Stand sind 45 ha Beschneiungsfläche für die Silvretta Nova bewilligt, beschneit werden aber bereits seit Jahren 70 ha. Nun soll die Beschneiungsfläche auf insgesamt 115 ha bewilligt werden. Die Erweiterung der Schneeerzeugungsanlage soll eine möglichst schnelle und effiziente Grundbeschneiung der Pisten ermöglichen, ab 1. Oktober sollen die Schneigeräte bereits laufen und die Schneedepots füllen.

Für die gesamte Beschneiungsanlage sind jährlich ca. 430.000 m3 Wasser notwendig, zusätzlich wird in naher Zukunft auch noch ein Antrag für einen neuen Speichersee mit einem Fassungsvermögen von 300.000 m3 Wasser gestellt. Das Projekt ist mit Kosten von 9 Millionen Euro verbunden.

Schneiteich Gaisbühel - Baustelle

Baustelle für den Schneiteich Gaisbühel in Mittelberg

Gebaut und geplant wird überall: In Schröcken und im Kleinen Walsertal sind große Speicherteiche im Bau, im „Auenfeld“ wird nächste Woche eine neue Schneeanlage verhandelt …. Ständig werden von der Behörde Anlagenerweiterungen und Neuanlagen zu Beschneiungszwecken bewilligt und mit dem öffentlichen Interesse argumentiert.

Vor dem Hintergrund, dass die globale Erwärmung fortschreitet, kann die Aufrüstungswelle mit Schneekanonen als geradezu absurd bezeichnet werden. Um „Schneesicherheit“ für unsere Tourismusgäste zu garantieren, werden gravierende ökologische Folgen (Geländeeingriffe, Änderungen des Wasserhaushaltes, Lärm, Wasserentnahmen aus Flüssen und Bächen, spätere Ausaperung, Schäden an der Vegetation und viele mehr…)  in Kauf genommen und Investitionen getätigt, diese große Abhängigkeiten mit sich bringen. Um diese Anlagen wirtschaftlich zu betreiben sind weitere Pistenbaumaßnahmen sowie Ausbau der Liftkapazitäten notwendig. Ein niemals endender Teufelskreis.

Gerade im sensiblen Alpenraum ist die Besinnung auf dauerhafte Tourismuskonzepte, welche die Schönheit unserer Landschaft  erhalten, das einzige Erfolgsmittel.

Verbindung Zürs-Rauz genehmigt

Übersichtsplan Verbindung Zürs-RauzDas touristische Industriegebiet im Lande soll wieder um ein Stück vergrößert werden: Am Freitag hat die BH Bludenz eine Schigebietsverbindung bewilligt, die mit vier Seilbahnen von Zürs zum Trittkopf, über den bisher unerschlossenen Ochsenboden nach Rauz und von dort auf der anderen Talseite auf die Albona führen soll.

Gleichzeitig wurde auf Tiroler Seite die Verbindung von St. Anton nach Kappl verhandelt, die ebenfalls ein schwerwiegender Landschaftseingriff wäre.

Karte Schröcken bis Kappl

Auch Google Maps sieht das Netz schon ziemlich dicht

Gute Nachrichten für alle, die sich schon lange wünschen, mit Schiern von Schröcken bis Kappl zu fahren. Weniger gute für Leute, denen die Erhaltung unserer Natur und Landschaft am Herzen liegt.

Besonders schmerzhaft sind dabei die geplanten Eingriffe in bisher völlig unverbauten Bereichen: Auf einem kleinen Felskopf auf dem Ochsenboden soll eine riesige Y-förmige Mittelstation gebaut werden, von dort soll eine Bahntrasse hinunter nach Zürs gehen, eine hinauf zum Trittkopf, und eine über den steilen Bergrücken beim Ochsenbodenkopf und von dort hinunter nach Rauz. Weiterlesen

Golfplatz Lech: Wirtschaft wichtiger als Natur?

golfprojektGerade haben wir die Entscheidung des Umweltsenats bekommen: Unsere Berufung gegen den positiven UVP-Bescheid der Landesregierung über den Golfplatz Lech wurde abgewiesen – damit hat der Projektwerber in zweiter Instanz Recht bekommen und die Wirtschaft (wieder einmal…) gegen die Umwelt gewonnen. Nun könnten wir noch Beschwerde an das Höchstgericht erheben – das werden wir uns ernsthaft überlegen. Nach unserer Ansicht wurde zuwenig berücksichtigt, dass der Standort im Zugertal für einen Golfplatz nicht gut geeignet ist, und daher die wirtschaftlichen Vorteile relativ unsicher sind, und daher nicht ohne weiteres gegen die Eingriffe in die Natur aufgerechnet werden können (Stellungnahme).

Dabei war das unabhängige Gutachten des ÖIR, das vom Umweltsenat in Auftrag gegeben wurde, durchaus differenziert: Die Voraussetzungen für die Errichtung seien „verhältnismäßig günstig“, unter bestimmten Annahmen könnten durch den Golfplatz 3.500 bis 9.500 zusätzliche Nächtigungen zustande kommen, dadurch würde die Wertschöpfung steigen und würden zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.

Es könnten also möglicherweise wirtschaftliche Vorteile entstehen, und das reicht als öffentliches Interesse, um eine Bewilligung zu rechtfertigen. Schade – die Nachteile für die Natur werden nämlich konkret sein, und auf jeden Fall eintreten.

Zugertal

Zugertal im Mai 2013 – der geplante Standort ist unterhalb der Straße und am Hang gegenüber

Heliskiing: Nein, danke!

Wikipedia_heliskiingSeit vielen Jahren sprechen sich die Vorarlberger Naturschutzorganisationen einstimmig gegen die Bewilligung des Heliskiings am Arlberg aus, zuletzt im Frühjar 2012. Schließlich spricht vieles dagegen, vor allem die Beunruhigung für die Natur, aber auch die Lärmbelästigung für Einheimische und erholungssuchende Touristen.
Regelmäßig wurde das von der Landesregierung trotzdem bewilligt.
Überraschend und erfreulich fanden wir daher nun die Aussage von LR Rüdisser in der heutigen Zeitung, dass ihm ein generelles Heliskiing-Verbot „am liebsten“ wäre – da er der zuständige Landesrat ist, kann das ja nicht schwer zu erreichen sein. Noch 2012 meinte er, dass die öffentlichen Interessen für eine solche Bewilligung überwiegen würden.
Schreiben der Naturschutzorganisationen zum Heliskiing 2012
Anwort von LR Rüdisser zum Heliskiing 2012

Nun ist die Diskussion ja wiederaufgelebt, weil offenbar im Montafon schon länger der Wunsch besteht, auch solche Flüge anzubieten, und sich Landeshauptmann Wallner klar dagegen ausgesprochen hat. Dass sich die Touristiker dort gegenüber dem Arlberg ungleich behandelt fühlen, ist durchaus verständlich – am besten würde man diese Wettbewerbsverzerrung bereinigen, indem man im ganzen Land keine Außenlandungen mehr bewilligt.
Schließlich ist nicht einzusehen, warum das kleine Vorarlberg das einzige Land in Österreich sein muss, wo so etwas noch genehmigt wird.