Baumwelten – Der Wert eines Baumes

Am 4.5.2017 fand in der Inatura der Vortrag von Conrad Amber über die Baumwelten Mitteleuropas statt. Besonders beeindruckend war die beispielhafte Vorstellung vom monetären Wert eines Baumes:

Eine 100 jährige Buche besitzt 600.000 unterschiedliche Blätter auf insgesamt 1.200 m2. Jährlich produziert sie 4,5 Tonnen Sauerstoff, nimmt 6 Tonnen giftiges Kohlendioxid und eine Tonne Feinstaub auf. Dafür verdunstet sie ca. 400 Liter Wasser täglich und das über hunderte von Jahren. Dazu benötigt sie eine Fläche von 3×3 Meter. Um diesen Baum zu ersetzen, müssten zweitausend Jungbäume mit 1,5 m3 Kronen gesetzt werden. Die Kosten dafür: 150.000 €.

Vor der Fällung von Bäumen sollte man dies bedenken und NACHRECHNEN!

Buche in Harthausen, www.conradamber.at

Amphibientod auf Straßen

Amphibien haben international gesehen den höchsten Anteil gefährdeter Arten. In Vorarlberg bedroht sind vor allem der Laubfrosch, Gelbbauchunke, Kamm- und Teichmolch. Neue Untersuchungen haben gezeigt, dass auch die Erdkröte europaweit in ihrem Bestand stark zurückgegangen ist (Petrovan SO, Schmidt BR (2016) Volunteer Conservation Action Data Reveals Large-Scale and Long-Term Negative Population Trends ofa Widespread Amphibian, the Common Toad (Bufo bufo). PLoS ONE 11(10)). Dies muss als deutliches Warnzeichen gesehen werden. Denn wenn verbreitete Arten wie die Erdkröte rückläufig werden ist dies ein Hinweis, dass die Umweltqualität großräumig (europaweit) schlechter wird.

(www.froschnetz.ch)

Die Erdkröte fällt im Rheintal besonders oft bei ihren Laichwanderungen dem Straßenverkehr zum Opfer. Eine Erdkröte benötigt zum Überqueren einer Straße oft 15 bis 20 Minuten. Dabei werden bereits bei sehr geringen Verkehrsdichten weit über 50 % der wandernden Erdkröten getötet. Manche Gemeinden beugen dem Amphibiensterben an besonders frequentierten Straßenübergängen durch Warnschilder für die AutofahrerInnen oder auch mittels Amphibienzäunen vor. Dies ist jedoch sehr arbeits- und zeitaufwändig und wird nur von sehr wenigen Gemeinden in Vorarlberg umgesetzt. Die Anlage von fixen Straßenunterführungen für Amphibienwanderungen würde eine Durchlässigkeit zwischen Laichplatz und Sommerlebensraum zulassen.

Gemäß der Vorarlberger Naturschutz- Landschaftsentwicklungsverordnung sind nach § 8 alle Reptilien und Amphibien in Vorarlberg geschützt. Die fachlich zuständigen Landesdienststellen sind für die Überwachung der Erhaltungszustände der geschützten Tierarten und ihren Lebensräumen zuständig. Es besteht absolut die Notwendigkeit geeignete Amphibienschutzmaßnahmen zu realisieren.

 

Quellbiotope: ein gefährdeter Lebensraum

Quellsysteme bieten beste Bedingungen für hochspezialisierte Quell-Lebensgemeinschaften und beherbergen eine große Artenvielfalt.

Quelle in Rauz

Auch in Vorarlberg ist Wasser aus Quellen noch immer ein wichtiger Bestandteil der Wasserversorgung. Der steigende Bedarf an hochwertigem Wasser wie auch die intensive Nutzung der Landschaft führen zu immer weiteren Fassungen und Verbauungen von Quellsystemen.

Quellbiotope sind auf Grund ihrer Kleinflächigkeit und ihrer besonderen Lebensbedingungen sehr störungsempfindlich. Bei Zerstörung einer Quelle geht unweigerlich die typische Fauna und Flora verloren und es dauert Jahrzehnte bis sich Quellen von Eingriffen ansatzweise erholen.

Durch das Gesetz über Naturschutz und Landschaftsentwicklung (GNL) sind Quellen unzureichend geschützt. Gerade Quellbiotope sollten Vorrangflächen für den Naturschutz werden, sie wurden bisher wenig beachtet und sind bereits selten geworden. Naturnahe Quellen sind sowohl in ihrem Bestand als auch in ihrer Funktion als Schnittstelle zwischen dem unterirdischen und oberirdischen Wasserkreislauf massiv gefährdet!

Der Gesetzgeber sollten den Quellen als Lebensraum und wegen ihrer Bedeutung für den Gewässerschutz großes Gewicht beimessen und ihnen daher in der Praxis einen besonderen gesetzlichen Schutz verleihen.

 

Vogelanprall an Glasflächen wird unterschätzt!

toter Eisvogel

Einer Glasfläche zum Opfer gefallener Eisvogel (Bild: Dipl. -Natw. Rochus Schertler)

Glasflächen mit freier Durchsicht wie Lärmschutzwände, Verbindungsgänge und Wintergärten sind verhängnisvoll für Vögel, weil sie diese Hindernisse nicht erkennen. Es wird vermutet, dass Glasscheiben nach der Lebensraumzerstörung die häufigste anthropogene Todesursache bei Vögeln sind.

Hochrechnungen aus den USA lassen aufhorchen: Allein dort kommen mehr Vögel an Glasflächen um als bei den allerschlimmsten Tankerunglücken. Mit einem Unterschied: Es geschieht an jedem einzelnen Tag! Der Tod an den Scheiben ist damit in der zivilisierten Welt eines der grössten Vogelschutzprobleme überhaupt. Bei genauem Hinsehen an den Glasscheiben finden sich zahlreiche Spuren von Vogelanprall, die in der Regel unbemerkt bleiben, da die Opfer meist rasch von Krähen, Mardern, Katzen usw. entfernt werden. Deshalb hat man die Verluste lange Zeit unterschätzt und das Problem zu wenig ernst genommen – von der Bauindustrie, von den Behördern, von Architekten sowie auch von der Bevölkerung.

Diese Verluste dürfen nicht einfach so gedultet werden! Unser Ziel ist unnötige Vogelfallen zu vermeiden und gleichzeitig Bauherren, Architekten und Planer und Glasindustrie aufzuklären. Die Akzeptanz für Vogelanprallschutz sollte in jedem Fall verbessert werden.

 

Pestizidtest: Bio vs. konventionell

Ernte (c) K LinsDie Umweltorganisation Global2000 hat kürzlich konventionelles und biologisch angebautes Obst und Gemüse auf Pestizidrückstände getestet. Das Ergebnis: In den 29 konventionellen Proben konnten Rückstände von 37 verschiedenen Wirkstoffen nachgewiesen werden. Bei den 25 Bio-Produkten dagegen waren 24 pestizidfrei, nur an einer falsch deklarierten Avocado aus Peru wurde ein Wirkstoff gefunden.

Auch wenn außer einem alle Werte unter den gesetzlichen Höchstwerten lagen, liest sich die Liste der Stoffe eindrucksvoll (zur ganzen Liste). An fast allen konventionellen Proben wurde mehr als ein Wirkstoff gefunden, an Äpfeln und Birnen gleich neun verschiedene.
Mengenmäßig wurden die meisten Rückstände an österreichischen  Johannisbeeren gefunden, gefolgt von importierten Orangen und Zitronen.
Mehr Information zur Untersuchung

 

Vogelanprall-Workshop

Am 22. April 2015 lud die Naturschutzanwaltschaft die Naturschutzbeauftragten der vier Bezirke, die Fachberater der inatura, die Tierrettung und das Ökologieinstitut zu einem Vogelanprall-Workshop zur Firma MGT Mayer Glastechnik ein.Glasscheiben Workshop bei MGT Mayer Glastechnik, FeldkirchWalter Mayer und Matthias Wiedemann zeigten uns verschiedene Glastypen (VSG, ESG, Sonnenschutzglas, Floatglas), welche im Freien aufgestellt wurden. Dadurch konnte das Reflexionsverhalten und die Transparenz der Scheiben gut beobachtet werden.

Verschiedene Außenreflexionsgrade

Verschiedene Außenreflexionsgrade

Matthias Wiedemann und Walter Mayer von MGT Mayer Glastechnik zeigten uns die verschiedenen Glasarten.

Matthias Wiedemann und Walter Mayer von MGT Mayer Glastechnik zeigten uns die verschiedenen Glasarten.

Transparenz und Spiegelung sind die Hauptursachen von Vogelanprall an Glasflächen.
Im Vorarlberger Naturschutz setzen wir uns dafür ein, dass bei Projekten, wo Vogelanschlag befürchtet wird (z.B. Neubauten, Wohnanlagen, Liftstationen), im Behördenverfahren entsprechende Schutzmaßnahmen vorgeschrieben werden. Diese können vom hoch wirksamen Vogelschutzglas, über alternative Baumaßnahmen z.B. bei Balkonbrüstungen bis zu einfachen Schutzmaßnahmen wie Beschattungselementen reichen.

Siebdruck

Siebdruck – man sieht, dass der „Durchblick“ durch die Punkte wenig beeinträchtigt wird.

Beim Workshop konnten wir die verschiedenen Glastypen gut vergleichen, die angegebenen Kennwerte wie z.B.Reflexionsgrad außen verstehen lernen und somit ein zusätzliches Wissen zum Werkstoff Glas erlernen. Dies ist für die tägliche Arbeit wichtig und v.a. im Umgang mit Antragstellern, Planern und der Behörde.

Zusätzliche Informationen zum Thema Vogelanprall findet ihr auf unserer Homepage unter der Rubrik „Dokumente“. Dort stellen wir eine Zusammenfassung zum Thema bereit sowie einige Positiv- und Negativbeispiele aus Vorarlberg.

Sonnenfinsternis: Der Beweis

Unbeeindruckt von den Ereignissen in der Naturschutzanwaltschaft ziehen die Gestirne ihre Bahnen … Wir haben uns natürlich trotzdem für die Sonnenfinsternis interessiert, und konnten mit einfachen Mitteln das Phänomen ohne Gefährdung der Augen beobachten: Das büroeigene Salatsieb stellte die Löcher zur Verfügung, die nach dem Prinzip der Lochkamera viele kleine Projektionen der Sonne erzeugten:

Projektion der Sonnenfinsternis mit Salatsieb

Mit dem richtigen Abstand funktionieren die Löcher als Lochblenden – die halbmondförmige Verdunkelung ist klar zu erkennen.

Projektion mit Salatsieb - keine Streuung

Kleinerer Abstand zur Projektionsebene: Die Löcher sind im Verhältnis zu groß. Keine Streuung – perfekt runde Löcher

Beide Bilder wurden um 10:43 aufgenommen, also kurz nach dem Höhepunkt der Verfinsterung. Das Licht kommt im Bild von rechts, die Projektion steht – wie immer – auf dem Kopf.

Wildkatze im Paznauntal nachgewiesen

Wildkatze im Bayerischen Wald - cc by Aconcagua @ Wkimedia

Wildkatze im Bayerischen Wald – cc by Aconcagua @ Wkimedia

Das  österreichische „Forum Wildkatze“ hat heute gemeldet, dass ein Jäger im Paznauntal in einer Lebendfalle eine Katze entdeckt hat, die sehr nach Wildkatze aussah. Laut dem Bericht hat er sie freigelassen und einige Haare zur DNA-Bestimmung an den Alpenzoo Innsbruck geschickt, der bestätigte, dass es sich tatsächlich um eine Europäische Wildkatze handelt.

Bisher waren in Österreich ja nur Wildkatzen im Nationalpark Thayatal bekannt, aber die scheuen Katzen sind sehr schwer nachzuweisen und könnten durchaus an weitern Orten vorkommen.
Wäre doch spannend zu sehen, ob auch bei uns einmal ein Nachweis gelingt.  Es ist nicht auszuschließen, dass schon welche in Vorarlberg waren, und einfach nicht bemerkt wurden.

Klimawandel: Die Kosten des Nichtstuns

Während vereinzelte Hardliner noch bezweifeln, dass es so etwas wie Klimawandel überhaupt gibt, planen andere längst, wie man mit den Folgen umgehen soll.
Das österreichische Umweltministerium hat vor kurzem eine interdisziplinäre Studie präsentiert, die unter dem schönen Namen COIN = Costs of Inaction die möglichen Kosten einer Klimaerwärmung untersuchte.

Grafik-Schaeden-KlimawandelFür Österreich könnten die Kosten bis zu 8,8 Mrd. im Jahr 2050 betragen, lautet das Ergebnis. Betroffen wären etwa die Land- und Forstwirtschaft und der Tourismus, aber auch die Kosten für die Erhaltung der Infrastruktur oder der Gesundheitsversorgung könnten massiv ansteigen. (Kurzfassung, PDF, 8 Seiten,  4,5 MB)

 

Auf der COIN-Website ist auch eine allgemein verständliche Broschüre als Übersicht erhältlich (PDF, 54 Seiten, 1,8 MB) , außerdem Factsheets zu einzelnen Themen und viele weitere Informationen.